Fr. 24. Mai. 2019

Die Gründung der Freiwillige Feuerwehr Ockstadt vollzieht sich in den letzten Apriltagen des Jahres 1933. Man trifft sich hierzu in der Wirtsstube des „Bayrischen Hofes“, der bisher Treffpunkt einiger Kameraden der Pflichtfeuerwehr ist und von nun an als Vereinslokal fungiert Der auslösende Moment für die Gründung ist ein Brand im Gemeindewald, bei dem ausbildungstechnische und organisatorische Mängel der Pflichtfeuerwehr offen zu Tage getreten sind. Die Ursache dieser Missstände basieren zum Teil auf dem militärischen Führungsstil und der fehlenden Freiwilligkeit mit der der Dienst getan werden muss. Mit diesem Hintergrund bildet sich eine sich hiervon absetzende freiwillige Gemeinschaft, die sich auf dieser neuen Basis schwört, den Dienst am Nächsten ohne Druck von außen zu verrichten. Hauptinitiator dieser Idee ist der Wehrführer der Pflichtfeuerwehr, Jakob Simon Kölsch, der als Gründungstag den 1. Mai 1933 festhalten lässt. Kurze Zeit später treffen sich die „Hauptgründer“ im Hinterzimmer des damaligen Rathauses. Diese sind Jakob Simon Kölsch, Bürgermeister Johann Klein III und Georg Scharf. Sie sind es, die den Sinn und Zweck des entstehenden Vereins festlegen. Die Zielsetzung wird mit dem Wahlspruch „Gott zur Ehr´dem Nächsten zur Wehr“ umschrieben. Die Mitgliederzahl wird durch die Übernahme des Spielmannszuges der Freiwillige Feuerwehr Ockstadt bereichert, um die Mitglieder des ohne Uniform musizierenden Zuges vor der Einverleibung in die SA zu schützen. In den Kriegswirren löst sich die musikalische Abteilung der Feuerwehr auf. Kurz nach der Gründung findet eine „Feuerschutzwoche“ statt. Zu diesem Anlass werden die Straßen mit Bäumen aus dem Gemeindewald geschmückt, Übungen gehalten und am Sonntag als Höhepunkt das gesamte Dorf mit einem Weckruf des Spielmannszuges zum Kirchgang mit anschließender Kranzniederlegung und darauf folgender Übung eingeladen. Für den geselligen Teil innerhalb der Wehr sogen der jährliche Kameradschaftsabend und Vereinsausflüge, die mit Pferdefuhrwerken Ziele in der näheren Umgebung anfahren. Im Falle eines Brandes wird zu dieser Zeit eine Meldung bei einer der Feuermeldestellen abgegeben. Daraufhin bläst der Hornist um die Kameraden herbeizurufen. Treffpunkt ist das alte Rathaus an der Kirche. Hier sind die beiden Handdruckspritzen untergebracht. Bei einem Brand im Ort, wird eine Schleuse im Brandweiher geöffnet, damit das Wasser einen Abwasserkanal die Bachgasse herunter läuft. Am Plan wird dieses gestaut. Die Spritzen werden per Hand oder mit Pferden transportiert. Bei Waldbränden begeben sich die Männer mit Privat-PKW oder Pferdefuhrwerken mit Schippen und Haken zur Brandstelle. Die Aufwärtsentwicklung des jungen Vereins wird mit dem Kriegsausbruch schlagartig gehemmt und die Leistungsbereitschaft der Mannschaft auf eine harte Probe. In jedem Ort muss eine ständige Brandschutzwache vorhanden sein. Bei einem Fliegeralarm haben 15 Männer sofort einsatzbereit zu sein. Dies gilt für den Ortsbereich und die benachbarten Gemeinden. So wird die Wehr nach einem Tieffliegerangriff auf Bad Nauheim dort und bei einem Großeinsatz an der Marienkirche in Friedberg eingesetzt. 1938 wird Jakob Kölsch als Wehrführer abgelöst, da dieser zur Wehrmacht eingezogen wird. Franz Klein führt die Wehr durch die harten Kriegsjahre bis 1945. 1943 erhält die Wehr eine Motorspritze. Zum Kriegsende scheint das Ende der Wehr besiegelt. Die Stelle des Ortsbrandmeisters wird nicht mehr besetzt. Nach einem Brand im Gemeindewald 1946 wird Heinrich Schaaf zum Wehrführer berufen. Aus Mangel an Löschwasser wird der Brandweiher Anfang der 1950-er Jahre trockengelegt und ein ansehlicher Löschteich errichtet. Die Gemeinde funktioniert den Löschteich in ein Schwimmbad um. 1950 wird eine Sirene zur Alarmierung der Wehr installiert. Der erste Kameradschaftsabend nach dem Krieg findet im Jahr 1953 statt. Am 14. Januar 1954 veranstaltet die Feuerwehr den ersten Maskenball nach dem Krieg. 1955 wird ein Teil der alten Schlossscheune zum Gerätehaus umgebaut und am 1. Juli 1956 eingeweiht. Vom 28. bis 30. Juli 1958 wird das 25-jährige Bestehen mit einem Kreisfeuerwehrverbandsfest gefeiert. Zu diesem Anlass wird die Vereinsfahne angeschafft, deren Schleife von den Gründungsmitgliedern gestiftet wird. Neben einer akademischen Feier gibt es einen Festumzug, einen Bunten Abend, eine Schauübung und einen Festgottesdienst. 1959 erhält die Wehr eine 28 PS starke Motorspritze TS 8/8. Wegen der anhaltenden Trockenheit bricht am 7. September 1959 ein Brand im Gemeindewald aus. Hierzu müssen Wasserfässer aus dem Dorf zur Brandstelle gefahren werden. Die Wehr wird von US-Soldaten unterstützt. Nach 12 Stunden ist der Brand unter Kontrolle. Am 28. April 1963 erhält die Wehr eine Anhängeleiter AL 12, die im Einsatzfall an einen Traktor angehängt wird und 12 Meter lang ist. In den 1979-er Jahren wird die Sirenenalarmierung durch die stille Alarmierung über Funkmeldeempfänger abgelöst. Am 4. Oktober 1968 übergibt der Bürgermeister der Gemeinde Ockstadt ein neues Löschgruppenfahrzeug LF16. Am 24. Dezember 1968 verstirbt Heinrich Schaaf, der die Wehr seit 1946 führte. Am 24. Januar 1969 wird Josef Ewald zum Wehrführer und 1970 auch 1. Vorsitzenden gewählt. Nach dessen Rücktritt im Folgejahr wird Karl-Günter König zum Brandmeister und Walter Nikolai zum 1. Vorsitzenden gewählt. 1972 übernimmt Josef Reinhard Klein das Amt des 1. Vorsitzenden. Am 18. März 1972 beginnt man in Eigenregie den Speicher der Schlossscheune auszubauen und errichtet einen Unterrichtsraum. 1977 wird die WC-Anlage fertiggestellt. Am 29. September 1973 findet der Jubiläumsball zum 40-jährigen Bestehen im Bürgerhaus statt. Im gleichen Jahr fährt der Verein nach Hamburg, womit die Tradition der Mehrtagesausflüge beginnt. Am 22. Juni 1973 übernimmt die Wehr einen gebrauchten VW-Bus der Polizei und baut diesen in Eigenarbeit um, damit er die Belange der Feuerwehr erfüllt. Mit der Eingemeindung 1972 wird die Pflichtfeuerwehr offiziell aufgelöst, eine hierfür angepasste Vereinssatzung wird 1974 verabschiedet. Am 2. Januar 1975 wird die Jugendfeuerwehr gegründet. Werner Kipp leitet die Jugendfeuerwehr. Vom 25. bis 27. Juli 1975 findet das Gründungszeltlager auf dem Alten Sportplatz statt, an dem sich 9 Jugendfeuerwehren aus der Umgebung mit über 100 Teilnehmern beteiligen. 1976 übernimmt Walter Jung das Amt des Jugendwartes. Im Jahr 1977 wird die Ehren- und Altersabteilung gegründet. Als Vorsitzender fungiert nach der Gründung Wilhelm Kipp, gefolgt von Friedel Grimmel, Walter Gröninger und Karlheinz Mörler. Im Jahr 1977 erhält die Wehr Funkgeräte. Außerdem wird aus Vereinsmitteln ein gebrauchter VW-Bus beschafft und umgebaut. Im Jahr 1978 wird Wehrführer Karl-Günter König zum 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt. Die Einsatzabteilung wird für das bevorstehende Fest einheitlich eingekleidet. 1982 wird das Feuerwehrhaus renoviert und eine Heizungsanlage eingebaut. Die Anhängeleiter wird in diesem Jahr durch eine dreiteilige Schiebleiter ersetzt. Das Fest zum 50-jährigen Bestehen wird mit einer akademischen Feier, einem Festgottesdienst, einer Zeltdisco, einer Schauübung, einem Bunten Abend und einem Festzug gefeiert. 1985 wird ein weiterer Raum auf dem Speicher errichtet, der als Jugendraum genutzt wird. Am 25. Mai 1985 feiert die Jugendfeuerwehr ihr 10-jähriges Bestehen mit einer Discoveranstaltung, einem akademischen Abend und einem Spiel ohne Grenzen auf dem Alten Sportplatz. 1986 übernimmt Rainer Weber das Amt des Jugendwarts. 1990 wird die Küche im Unterrichtsraum aus Vereinsmittel beschafft und die Jugendfeuerwehr feiert ihr 15-jähriges Bestehen auf dem Alten Sportplatz. Im Mai 1991 wird ein Anhänger für den VW-Bus beschafft. Im Februar 1993 Rolltore eingebaut. Der alte Schlauchturm wird zum Lager umgebaut, da die Schläuche in Friedberg gewaschen und getrocknet werden. Im Oktober 1993 erhält die Wehr ein neues Löschgruppenfahrzeug, das LF 16/12. Anlässlich der Fahrzeugübergabe wird ein Zelt im Hof des Feuerwehrhauses aufgebaut. Ein Erdnagel beschädigt eine Hauptstromleitung und sorgt für einen einstündigen Stromausfall in Ockstadt. Das alte LF 16 wird nach Kirchheiligen bei Bad Langensalza abgegeben. Das neue Fahrzeug wird nach einem Festgottesdienst geweiht und im Anschluss wird im Hof gefeiert. Am 26. November 1993 wird Werner Kipp zum Wehrführer und 1. Vorsitzenden gewählt. 1994 wird Patrick Schaaf zum Jugendwart gewählt. Im Jahr 1995 werden die ersten Mädchen in die Jugendfeuerwehr aufgenommen. In diesem Jahr feiert die Jugendfeuerwehr ihr 20-jähriges Bestehen im Rahmen eines Zeltlagers mit befreundeten Jugendfeuerwehren, einer akademischen Feier und einem Festgottesdienst auf dem Alten Sportplatz. Die Räume der ehemaligen Zentra Milchannahmestelle werden von Mitgliedern in viel Eigenarbeit und mit Mitteln des Vereins ab 16. Oktober 1997 umgebaut. Seit dem 27. Februar 1999 sind die Räume fertiggestellt. Am 12. März 1998 wird Oswald Jung zum Wehrführer und 1. Vorsitzenden gewählt. Im gleichen Jahr wird Mirko Ewald zum Jugendwart gewählt. Am 31. Oktober 1998 werden die Räume bei einem Tag der offenen Tür offiziell eingeweiht. Im Mai 2000 wird anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Jugendfeuerwehr ein neuer VW-Bus übergeben, der nach einem Festgottesdienst geweiht wird. Das Festprogramm umfasst außerdem eine Großübung mit befreundeten Jugendfeuerwehren, ein Spiel ohne Grenzen, eine akademische Feier und ein Disoabend. Im September 2002 wird Rainer Weber zum Jugendwart gewählt. Zum 30-jährigen Bestehen der Jugendfeuerwehr gehört wieder ein Zeltlager, ein Spiel ohne Grenzen und eine Discoveranstaltung. Am 9. März 2007 wird Daniela Schaupp zur Jugendwartin gewählt. Das Fest zum 75-jährigen Bestehen wird an Pfingsten 2008 mit einer akademischen Feier, einem Festgottesdienst, einer Zeltdisco, einem Festumzug, einer Fahrzeugausstellung entlang der Friedberger Straße, Künstlern aus Österreich gefeiert und endet mit einem großen Zapfenstreich. In 2008 wird Marcus Kipp zum Wehrführer gewählt. Am 19.01.2009 wird die Wehr zu einem Wohnhausbrand in der Mainzer-Tor-Anlage gerufen. 40 Minuten später brennt es in einem weiteren Gebäude in der Haagstraße. An diesem Tag sind ca. 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst, sowie 5 Drehleitern aus dem Kreisgebiet in Friedberg im Einsatz. 3 Bewohnern in der Mainzer-Tor-Anlage kann, trotz schnellem Eingreifen, nicht mehr geholfen werden. Ein weiterer Großbrand ist am 21. August 2012 zu bekämpfen. Hier brennt die alte Fasshalle der Windecker Brauerei in der westlichen Friedberger Altstadt. Am 10. August 2011 treffen sich die Feuerwichtel zum ersten Mal. Seit diesem Tag können Kinder ab 6 Jahren in der Feuerwehr mitwirken. Am 21. März 2014 wird Markus Gröninger zum ersten Vorsitzenden gewählt.